Die Geburt deines Babys ist ein freudiges Ereignis, das eine Menge starker Emotionen auslöst. Manchmal werden jedoch nicht nur positive Emotionen ausgelöst– als junge Mutter oder junger Vater kann es auch zu Angst oder Unruhe oder sogar Depressionen kommen.
Bevor wir die Symptome, Ursachen und Möglichkeiten zur Selbsthilfe darlegen, klären wir zunächst die verschiedenen Begriffe rund um eine Depression nach der Geburt.
Baby-Blues oder Depression?
Vielleicht hast du schon einmal vom „Baby-Blues“ gehört – dieser ist keine Form der Depression! Die Symptome des Baby-Blues beginnen normalerweise 2 bis 3 Tage nach der Entbindung und dauern nur wenige Tage bis maximal zwei Wochen an. Eine (postnatale) Depression hingegen ist eine länger andauernde und schwerer ausgeprägte Erkrankung.
Während eine große Anzahl von Müttern nach der Geburt einen vorübergehenden „Baby-Blues“ erlebt, entwickeln sich die Symptome nur bei etwa 1 von 10 dieser Mütter weiter zu einer postnatalen Depression.
Wochenbettdepression oder postnatale Depression?
Der Begriff „postnatale Depression“ beschreibt dieselbe Erkrankung wie die Begriffe „postpartale Depression“ (med. Fachbegriff) und „Wochenbettdepression“. Per Definition lassen sich die Begriffe dennoch etwas voneinander abgrenzen.
Der Begriff der „Wochenbettdepression“ kann etwas irreführend sein. Denn er suggeriert, dass die Depression nicht über das „Wochenbett“ (6–8 Wochen nach der Geburt) hinaus anhalten kann. Doch die Dauer einer Wochenbettdepression oder postnatalen/postpartalen Depression kann sich auch über Monate erstrecken – unbehandelt sogar noch länger.
Während sowohl „postnatal“ als auch „postpartal“ mit „nach der Geburt“ übersetzt werden können, bezieht sich „partal“ mehr auf den biologischen Geburtsvorgang und betrifft daher nur die gebärende Mutter. „Postnatal“ hingegen kann sich auch auf Väter nach der Geburt beziehen.
Wenn du vermutest, dass du selbst oder jemand in deinem Umfeld an einer postnatalen Depression erkrankt ist, werden dir die nachfolgenden Informationen helfen diese Erkrankung zu verstehen und Behandlungswege kennenzulernen.
Hinweis: Wir verwenden im weiteren Artikel nur noch den Begriff „postnatale Depression“ und schreiben von „Frauen“ und „Müttern“. Väter mit einer postnatalen Depression dürfen sich jedoch genauso von unseren Informationen und Tipps angesprochen fühlen.
Mögliche Auslöser einer postnatalen Depression
Auch wenn die genauen Ursachen postnataler Depression unklar sind, gibt es eine Kombination von bestimmten Faktoren, die diese Erkrankung begünstigen können:
Chemische Prozesse im Körper
Zu chemischen Anpassungen im Körper kommt es infolge eines raschen Hormonabfalls nach der Entbindung– nachdem die weiblichen Fortpflanzungshormone Östrogen und Progesteron während der Schwangerschaft um das Zehnfache angestiegen sind. Diese Hormone fallen nach der Geburt stark ab, steigen aber ca. 3 Tage nach der Entbindung wieder an. Weitere chemischen Faktoren, die eine postnatale Depression begünstigen können, sind ein niedriger Schilddrüsenhormonspiegel, zugrundeliegende medizinische Erkrankungen, Schlafentzug, Drogen- und Alkoholmissbrauch sowie eine unzureichende Ernährung.
Mentale Belastung/Überlastung
Emotionale Herausforderungen, die rund um die Geburt deines Kindes auftreten, können eine postnatale Depression ebenso auslösen wie körperliche Faktoren. Solche Herausforderungen können belastende Ereignisse in der Familie oder Partnerschaft sein wie der Tod eines geliebten Menschen, eine Scheidung, finanzielle Schwierigkeiten oder gesundheitliche Probleme bei deinem Baby. Auch häusliche Gewalt kann ein starker Auslöser für eine Depression sein.
Weitere Risikofaktoren für postnatale Depression
Folgende psychische und äußere Risikofaktoren können eine postnatale Depression begünstigen:
- Du hast bereits in der Vergangenheit eine Depression oder Angststörung erlebt.
- Du leidest unter einer bipolaren Störung.
- Du hast enge Familienmitglieder, die eine Vorgeschichte mit Depressionen haben.
- Dir fehlt ein starkes Unterstützungssystem oder du bist sozial isoliert.
- Deine Schwangerschaft war ungeplant oder in irgendeiner Weise unerwünscht.
- Du lebst in einer unglücklichen Partnerschaft.
Symptome der postnatalen Depression
Auch wenn die postnatale Depression anfangs mit dem Baby-Blues verwechselt werden kann, sind die Symptome weitaus schwerwiegender und halten länger an. In der Tat können diese Symptome, wenn sie fortgeschritten sind, die Fähigkeit beeinträchtigen, sich um das Neugeborene zu kümmern und den Alltag zu bewältigen.
Diese Symptome können auftreten:
- Starke Stimmungsschwankungen oder allgemein gedrückte Stimmung
- Schwierigkeiten bei der Bindung zum Baby
- Unruhezustände
- Hoffnungslosigkeit
- Unkontrolliertes Weinen
- Energieverlust und allgemeine Müdigkeit
- Schlaflosigkeit oder übermäßiges Schlafen
- Gefühle von Scham, Schuld oder Unzulänglichkeit in der neuen Mutterrolle
- Vermindertes Interesse an Aktivitäten, die früher Spaß gemacht haben
- Angstzustände und Panikattacken
- Appetitlosigkeit oder übermäßiges Essen
- Erhöhte Wut und Reizbarkeit
- Gedanken, sich oder dem Baby etwas anzutun
- Rückzug von Familie und Freunden
- Selbstmordgedanken
Wenn diese Symptome nicht ernst genommen und nicht rechtzeitig behandelt werden, kann die Depression über Monate oder sogar länger anhalten.
Behandlung der postnatalen Depression
Die am häufigsten angewandte Behandlung bei Depression ist die Psychotherapie, z. B. die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) oder die interpersonelle Therapie (IPT). Diese Therapien helfen dabei, negative Gedanken und Verhaltensweisen zu ändern und Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Auch Medikamente wie Antidepressiva können zur Verbesserung der Stimmung eingesetzt werden. In einigen Fällen kann eine Kombination aus Therapie und Medikamenten empfohlen werden.
Wichtiger Hinweis für stillende Mütter: Nehme keine Medikamente gegen Depressionen ein, bevor du nicht mit deiner Ärztin oder deinem Arzt über die Risiken für dich und dein Baby gesprochen hast.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Behandlung einer postnatalen Depression ist die Unterstützung durch Familie und Freunde. Gerade kurz nach der Geburt ihres Babys, ist es für Mütter wichtig, ein starkes soziales Unterstützungssystem zu haben, um Hilfe bei praktischen Aufgaben sowie emotionale Unterstützung zu bekommen. Auch Selbsthilfegruppen können hilfreich sein, da sie jungen Müttern die Möglichkeit bieten, sich mit Menschen auszutauschen, die ganz ähnliche Erfahrungen durchleben.
Wende dich an deine Hausärztin oder deinen Hausarzt, um die für dich richtigen Behandlungsoptionen zu besprechen und dich ggf. an eine Therapeutin oder einen Therapeuten überweisen zu lassen.
Kann ich einer postnatalen Depression vorbeugen?
Wenn du eine bekannte Vorgeschichte von Depressionen oder Ängsten hast, bespricht dies mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, sobald du schwanger wird, oder im Idealfall schon, wenn du planst, schwanger zu werden.
Deine Ärztin oder Arzt wird diesen Aspekt im Auge behalten und dir nach Bedarf Medikamente verschreiben, auch während der Schwangerschaft. Zeichen sich Anzeichen einer postnatalen Depression, sobald dein Baby geboren ist, kann deine Ärztin oder dein Arzt frühzeitig eine entsprechende Behandlung empfehlen. Je früher du diagnostiziert wirst, desto effektiver ist die Behandlung.
In jedem Fall gilt: Bleibe nicht untätig und ignoriere deine Symptome nicht. edupression ist da, um dich mit Wissen und dem Rat von Spezialist:innen zu versorgen. Du kannst noch heute in die digitale Psychotherapie mit edupression einsteigen, um deine Situation zu verbessern.
Digitale Psychotherapie: jetzt informieren
Zusammenfassung
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die postnatale Depression eine ernste psychische Erkrankung ist, die sowohl Mütter als auch Väter nach der Geburt ihres Kindes betreffen kann und durch starke Gefühle wie Traurigkeit, Interessensverlust und fehlende Bindung zum Baby gekennzeichnet ist. Die Ursachen der postnatalen Depression sind noch nicht vollständig geklärt, aber man geht davon aus, dass sie durch eine Kombination aus körperlichen, emotionalen und umweltbedingten Faktoren verursacht wird. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten wie Psychotherapie, Medikamenteneinnahme und Unterstützung durch Familie und Freunde. Es ist wichtig, dass Betroffene sowie ihre Partner:innen und Familienangehörigen die Anzeichen und Symptome einer postnatalen Depression erkennen und bei Bedarf professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.
Selbsttest: Habe ich eine Depression?